Schon Karl Marx meinte, dass Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) es nicht verdient hätte, wie ein toter Hund behandelt zu werden. Denn Hegel, der Universalphilosoph, hat ganze Epochen geprägt und ist derzeit aktueller denn je. Sein 250. Geburtstag war dem LIONS Club Hamburg-Blankenese Anlass, für einen Abend Rückschau zu halten und aktuelle Bezüge herzustellen. Kein geringerer als Clubmitglied, Dr. Alexander Schubert, der mit seiner seit den achtziger Jahren vergriffenen Dissertation über Hegels Hauptwerk „Wissenschaft der Logik“ nun eine Renaissance und Neuauflage seiner Arbeit erlebt und begleitet.

Der Referent startete mit biografischen Höhepunkten Hegels: von der schwäbischen Provinz über die philosophische Hochburg Jena bis nach Heidelberg und Berlin, wo er schließlich zum anerkannt populären Weltphilosophen wurde. Seine Freundschaften mit Schelling, Hölderlin, Schiller und Goethe wurden mitunter auf die Probe gestellt. Die Hauptthemen, die Hegel zeit seines Lebens beschäftigt haben: Freiheit – inspiriert von der französischen Revolution, Vernunft – als Kritik am gesunden Menschenverstand und Dialektik – als wissenschaftliches System. 

Hegel entwickelte als Visionär und Pionier vieles, das erst viel später Einzug in Wissenschaft und Gesellschaft gefunden hat. So zum Beispiel der Entwurf einer deutschen Verfassung von 1802, der die meisten Themen unseres Grundgesetztes von heute vorwegnimmt. Oder das erste humanistische Gymnasium, das er als Rektor in Nürnberg mit begründete. Er formulierte wissenschaftliche Gedanken, die sich später in der Mathematik (Mengenlehre) und der Physik (Relativitätstheorie und Quantentheorie) wiederfanden. 

Alexander Schubert stellte seinen Zuhörern mit Hegelschen Zitaten ein paar besonders harte Gedankennüsse zum Knacken vor: „Das Sein und das Nichts ist dasselbe.“ oder „Das Wahre ist das Ganze.“ sowie Hegels Überlegungen zu Herrschaft und Knechtschaft, die den Marxismus und Existenzialismus stark beeinflusst haben. Sogar aktuelle Themen, wie “KI – Künstliche Intelligenz” oder „Cancel Culture“ finden den Bezug zu Hegelschen Thesen. 

Alexander Schubert gelang es wunderbar, das Thema mit leichter Hand, vielen persönlichen Anekdoten und witzigen Pointen unterhaltsam zu vermitteln. Also – kein toter Hund, sondern ein höchst aufschlussreicher und lebendiger LIONS-Abend.